Der Vulkan: unbedingt wollten wir rauf. Wie oft hat man schon die Gelegenheit auf einer Vulkaninsel den noch immer aktiven Vulkan zu besteigen? Also wieder Wanderschuhe, Jacken und Proviant eingepackt und wieder erstmal ca. 1 Stunde in den Nationalpark auf Basse-Terre gefahren. Und diesmal waren wir früh genug dran um nicht erst 20 min den Parkplatz hochzulatschen.
Das erste Stück geht durch den Dschungel, was noch sehr angenehm zu gehen ist, die Pfade sind grob mit Steinen ‚gepflastert‘. Aber natürlich beständig bergauf. Dann, wenn man aus dem Urwald herauskommt, fängt der wirklich sehr anspruchsvolle Weg an. Hier braucht keiner sein Glück mit Flip Flops versuchen. Wir sind alle drei keine passionierten geschweige den geübten Wanderer und mit Emilia waren wir bisher noch nie zuvor wirklich wandern. Daher war dieses Unterfangen irgendwie eine unterschätzte Hauruck-Aktion, die vor allem mir während des Weges gewaltige Zweifel aufkommen ließen. Aber einmal auf dem Weg ist ein Umkehren undenkbar. Für Pausen war kaum Platz zum sich hinsetzen und so marschierten und kletterten wir insgesamt 2 einhalb Stunden am Stück über 500 Höhenmeter hinauf.
Ich wartete nur darauf dass Emilia jede Sekunde weinend zusammenbricht und keinen Schritt mehr tun würde. Aber nein, sie ging weiter und weiter uns es war eher ich diejenige die sich oben am Gipfel am liebsten einfach nur noch hingelegt hätte. Nicht, weil der Aufstieg körperlich so anstrengend gewesen wäre, sondern weil ich mir so furchtbar Sorgen und auch ein schlechtes Gewissen wegen Emilia gemacht habe. Wir verlangten ihr hier ganz schön viel ab.
Oben am Krater hatten wir Glück, dass sich in dem Moment auch die Wolkenschwaden lichteten und den Blick auf den Rauch freigaben, der aus dem Inneren des Berges aufstieg. Mehr war tatsächlich nicht zu sehen und es brauchte hier viel Vorstellungsvermögen um sich klar zu machen, dass dieser so eben bezwungen Berg im Inneren noch sehr lebendig und aktiv ist. Ob Emilia in dem Moment dem ganzen viel abgewinnen konnte weiß ich nicht, sie brauchte hier erstmal dringend eine Pause und endlich was zu essen. Aber die Rast fiel kurz und ungemütlich aus, weil der Wind furchtbar kalt wehte und es keine Gelegenheit gab um sich bequem zu setzen und auszuruhen. Also ging es nach ein paar Happen an den Abstieg. Für mich besonders schlimm weil ich mir tatsächlich vorgestellt hatte, nach dem anstrengenden Aufstieg dann auch mal ein Stündchen ruhen zu können bevor es wieder zurück geht.
Aber so machten wir gleich weiter. Viele der anderen Wanderer lobten Emilia für ihren Mut und sagten, dass sie mit kleinem Kind niemals hier raufsteigen würden. Ich glaube, das feuerte Emilia weiter an. Ihr unglaubliches Durchhaltevermögen erstaunte mich gewaltig.
Wiederum 2 einhalb Stunden später kamen wir am Parkplatz an und fuhren völlig erschöpft aber auch sehr stolz zurück. Hier war es aber noch nicht getan mit der Plackerei, wir mussten nämlich noch das Auto abgeben und das machten wir auf dem Heimweg. Wir dachten uns, irgendwie würden wir von der Mietstation schon ein Taxi zur Unterkunft bekommen. Alles einfacher gesagt als getan. Bei der Mietstation ging es furchtbar zu, wir mussten ewig warten. Dann kam das online bestellte Taxi nicht und am Telefon auf französisch ein Taxi zu bestellen hab selbst ich nicht zustande gebracht. Nach der Vulkan-Wanderung war mein Hirn sowieso nur noch Brei. Also blieb uns nichts anderes übrig als uns vom Shuttle Service der Mietstation zum Flughafen bringen zu lassen. Dort hatten wir dann wieder Glück im Unglück, weil uns der Fahrer des Shuttle Busses ein Taxi orderte und wir uns nicht wieder in die Schlange der Wartenden einreihen mussten. Endlich saßen wir wieder im Auto und wussten dass wir heimkommen würden.
Da Emilia dann noch unbedingt zum Strand wollte erfüllte ich ihr schuldbewusst diesen Wunsch, obwohl ich fix und fertig mit den Nerven war. An unserem „Hausstrand“ feierten die lokalen Jugendlichen ein kleines Fest und schon das allein gefiel Emilia. Für sie war alles wieder gut, auch wenn Mami nicht mehr die Kraft aufbrachte mit ihr in den Wellen zu toben.
Abends hatten wir noch eine Reservierung im fußläufigen Te Maki Restaurant, konnten uns stärken um dann noch vor dem zu Bett gehen die Koffer wieder reisebereit zu packen.
Nach diesem Tag war bei uns allen tatsächlich kurzzeitig ein ‚ich kann nicht mehr‘ erreicht.

